Weltenwetter

Kalter Winter, heißer Sommer … warum? I. Klaus-Eckart Puls

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Sowohl beim vergangenen kalten Winter 2009/10 als auch beim derzeitigen heißen Sommer in Mitteleuropa handelt es sich um Ergebnisse normaler(!) meteorologischer Prozesse und Wetterlagen. Mit irgendeiner „Klima-Katastrophe“ hat weder der vergangene kalte Winter noch der jetzige heiße Sommer auch nur das Geringste zu tun, und mit CO2  schon ganz und gar nicht !

Die Atmosphären-Strömung „arbeitet“ in Wellen und Wirbeln. D i e s e  leisten in der Atmosphäre die Energie-Umsätze und Energie-Transporte.

In unseren gemäßigten Breiten haben wir es zu etwa 80% des Jahres mit einer mehr oder weniger mäandernden West-Wind-Strömung in den höheren Luftschichten zu tun, wobei als dynamisches Bezugs-Niveau häufig die 500-Hektopascal-Fläche (keine “Ebene“) in ca. 5000 m Höhe benutzt wird.

Das Wetter am Erdboden (also “in Augenhöhe“) mit seinen Tiefs, Fronten, Hochs …. ist „ein Abfall-Produkt“ dieser Höhenströmung. Die Druckgebilde und Wetter-Fronten entstehen als Folge von Konfluenzen (Konvergenzen) und Difluenzen (Divergenzen) in dieser Höhenströmung  – auch Jetstream genannt:

 

Abb. 1  Entstehung von dynamischen Hoch- und Tiefdruckgebieten. Quelle: Klaus Eckart Puls (2007)

Höhenströmung und „Boden-Wetter“ werden von den sogenannten Zirkulations-Modellen der weltweiten Wetterdienste mit guter Genauigkeit für ca. eine Woche prognostiziert. Dabei wird der sogenannte deterministische Anteil dieser physikalischen Prozesse für die Wetterprognosen herausgearbeitet, während mit zunehmender zeitlicher Rechen-Distanz zum Ausgangszustand der unbestimmbare (stochastische) Anteil mehr und mehr überwiegt !

D a h e r  geht man derzeit davon aus, daß aus physikalischen Gründen (Chaos-Theorie der Atmosphäre) auch in den nächsten Jahrzehnten (Jahrhunderten?) eine Vorhersagbarkeitsgrenze von ca. 10 Tagen kaum überschritten werden kann.

Schon aus diesen Gründen ist es eine ungeheuere Anmaßung der Klima-Institute, Klima (und damit letztlich Wetter) für 100 Jahre im voraus berechnen zu wollen !! (….selbst auch dann, wenn dieser Vergleich physikalisch etwas „hinkt“).

Zu eigentlichen Kernfrage, warum mal sehr kalt und mal sehr heiß : 

Wenn die Höhenwind-Strömung weitgehend West-Ost ausgerichtet ist, dann wird mit den Tiefs und ihren Fronten atlantisch temperierte Luft nach Europa gesteuert:

Abb. 2  Westlage mit einer von West nach Ost ausgerichteten Höhenströmung. Quelle: http://www.wetterzentrale.de/

Das hat zur Folge, daß die Winter in Mitteleuropa mild und die Sommer kühl und regnerisch sind.

Die mehr oder weniger ausgeprägten Mäander der („wetter-steuernden“!) Höhenströmung nennt man wegen ihres globalen/planetaren Auftretens in der meteorologischen Fachsprache „Planetarische Wellen“ (nach ihrem Entdecker auch: ROSSBY-Wellen). Dort, wo ein „Wellenbauch“ ist, entsteht ein Hochdruck-Keil ; dort, wo ein „Wellental“ ist, den die Meteorologen  TROG nennen, haben wir tiefen Luftdruck  –  b e i d e s  in „allen“ Höhenschichten bis zum Boden, mehr oder weniger.

Auf den Westseiten der Tröge, auch Rückseiten genannt (…und damit am Ostabhang der Keile) wird Kaltluft von höheren (nördlichen) Gefilden in niedere Breiten transportiert (am Boden: „Kaltfronten“) ; auf den Ostseiten der Tröge und folglich an den West-Flanken der Hochkeile wird Warmluft von niederen (südlicheren) Breiten nach Norden transportiert  – Warmluft-Advektion! 

In dieser Zirkulation überwiegen hemisphärisch/global „Wellen-Zahlen“ von 5…6…7, seltener 3 oder 4. Bei geringeren Wellen-Zahlen (also 3…4…5) neigt die atmosphärische Strömung aus physikalischen Gründen („stehende Wellen“) zu einer Verlangsamung des West-Ost-Weiterwanderns bis hin zum „Stillstand“  – in der Meteorologie BLOCKIERUNG  genannt.  

D a n n  verstärken sich Hochkeile und Tröge noch, w o m i t  sich die Zufuhr von kalter bzw. warmer Luft intensiviert, je nachdem, in welcher Region wir uns unter der Höhenströmung und der sich daraus ergebenden Bodenströmung befinden.

F o l g l i c h : Es gibt im globalen Maßstab gleichzeitig (!!) immer Regionen, in denen es   (im Vergleich zum meteorologischen Langzeit-Mittel) entweder „zu kalt“  o d e r  eben „zu warm“ ist !!

Genau dieses Strömungsmuster einer BLOCKIERUNGS-Wetterlage („Blockierung“ gegen die „normale“ Westdrift) hatte sowohl unseren Winter 2009/2010 bestimmt, …

Abb. 3  Blockierungswetterlage im Winter 2009/2010.  Quelle: http://www.wetterzentrale.de/

… als auch unseren Sommer 2010 in den ersten drei Juli-Wochen.  

 

Abb.4  Blockierungswetterlage im Sommer 2010. Quelle: http://www.wetterzentrale.de/

Der einzige Unterschied  – betreffend den vergangenen Winter und den Juli-Sommer 2010  – ist  d e r ,  daß der blockierende Hochkeil im letzten Winter 2009/2010 mehr oder weniger über dem Ostatlantik lag, mit einer  ständigen „vorderseitigen“ Kaltluft-Polarluft-Advektion nach Mittel- und Osteuropa (TROG),  w o g e g e n  der Hochkeil im Juli 2010 über dem mittleren bis östlichen Europa lag.

D a s  hatte zur Folge, daß an der Westflanke dieses Hochkeils und gleichermaßen auf der Ostflanke („Vorderseite“) des „stationären“ ostatlantischen Tiefdruck-Troges subtropische Warmluft nach West- und Mittel-Europa geführt wurde !

W a r u m  die Atmosphäre sich in machen Jahreszeiten für eine solche “Blockierung“ entscheidet, oder eben  –  wie z.B. in “normalen“ Sommern –  für eine Atlantische Westdrift mit Regen und kühler Luft (wie mehr oder weniger in den Sommern 2007-2009), das ist nicht bekannt.

So ist auch ein kausaler Zusammenhang nicht gesichert, wenn ein warmer  Sommer auf einen kalten Winter folgt, oder umgekehrt. In der überwiegenden Zahl der Fälle passiert das nämlich nicht.

Gleichermaßen gibt es für entsprechende Jahreszeiten-Prognosen weiterhin kein wissenschaftlich abgesichertes Verfahren.

Interessant ist jedoch, daß diese Zirkulations-Muster der Blockierungen bzw. der sommerlichen West-Wind-Regen-Drift tief in der Erfahrung unseren Vorfahren verankert ist, und in der Bauern-Regel vom “Siebenschläfer“ ihren Niederschlag gefunden hat. 

F a z i t : Dieses alles sind meteorologische Prozesse und Wetterlagen, mit irgendeiner „Klima-Katastrophe“ hat weder der vergangene kalte Winter noch der jetzige heiße Sommer auch nur das Geringste zu tun, und mit CO2  schon ganz und gar nicht !!!!!

Dipl.-Meteorologe Klaus-Eckart Puls

Alle Gastbeiträge geben nur die persönlichen Ansichten der Autoren wieder, nicht aber die von Weltenwetter!
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Written by jenschristianheuer

August 8, 2010 um 12:00 pm

Veröffentlicht in Klimadebatte

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