Weltenwetter

Langsam kippt das Wetter

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Die  Kaltfront eines Tiefdruckwirbels über dem Ostatlantik mit Zentrum über den Britischen Inseln erreicht allmählich Westeuropa und sorgt dort für Unwetter und eine nachhaltige Abkühlung.

Wetterlage am 21. Juli 2010 16:00 UTC : Teilweise okkludierter Tiefdruckwirbel über dem Ostatlantik mit Zentrum bei den Britischen Inseln. Seine Kaltfront hat bereits Westeuropa erreicht. Das Bild des europäischen Wettersatelliten MeteoSat ist in den drei Wellenlängenbereichen rot, grün und blau aufgenommen (Natural Color RGB). Vegetation erscheint grün, da das Chlorophyll der Pflanzen grün deutlich besser reflektiert als rot und blau. Wolken aus kleinen Wassertröpfchen reflektieren alle Wellenlängen und sind daher hellweiß. Eiswolken erscheinen jedoch cyanblau, weil Eis rotes Licht stark absorbiert und so diese Farbe übrigbleibt. Der unbewachsene Boden ist braun, denn rotes Licht wird besser reflektiert als blaues. Die Ozeane absorbieren alle Wellenlängen und erscheinen daher beinahe schwarz. Quelle: EUMETSAT

Die aufwärts gerichteten dynamischen Tiefdruckwirbel (Cyclonen) entstehen aus kleinen Turbulenzen in der Höhenluftströmung (Jetstream), so ähnlich wie Stromschnellen (Verwirbelungen) in einem Fluß mit Gefälle. Auch die Höhenluftströmung wird übrigens durch ein Gefälle angetrieben, dem Temperatur- und damit auch Druckgefälle (Temperatur- und Druckgradient) an der Grenze zwischen polarer Kaltluft und (sub)tropischer Warmluft.

Dynamische Tiefs verwirbeln sehr effektiv polare Kaltluft und (sub)tropische Warmluft: Durch ihre vom Tiefdruckzentrum ausgehende,  auf der Nordhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn gerichtete Drehbewegung strömt warme Luft polwärts gegen die Kaltluft (Warmfront) und im Gegenzug kalte Luft äquatorwärts gegen die Warmluft (Kaltfront).

Tiefdruckwirbel 1

Aufbau eines Tiefdruckwirbels. Warmfront, Kaltfront und dahinter zelluläre Bewölkung. Nähere Erklärungen im Text. Quelle: Geo Special Nr. 2 Wetter 1982

An der Warmfront, wo die warme Luft langsam über die kältere Luft nach oben gleitet, bildet sich eine Schichtbewölkung (Stratus). Häufig regnet es dann über längere Zeit (Landregen). In größeren Höhen, wo es kälter ist, bilden sich Eiswolken (Cirrus). Die Kaltfront und die dahinter befindliche Kaltluft bewegen sich wesentlich schneller als die vorauseilende Warmluft, da letztere aufgrund ihrer Aufstiegstendenz eine schwächer ausgeprägte Vorwärtsbewegung hat. Die Warmluft wird so nach und nach von der herannahenden Kaltluft durchdrungen und erfährt dabei, da sie leichter ist, einen starken Auftrieb (labile Luftschichtung). Durch Konvektion bildet sich eine ausgeprägte Quellbewölkung. Bei kräftigen Winden kommt es zu starken Regenfällen, oft auch zu Gewittern mit Hagel (Unwetter). Vom Tiefdruckzentrum her beginnend vereinigen sich Warm- und Kaltfront zu einer Mischfront (Okklusion) bis schließlich der Warmluftsektor ganz verschwunden ist. Nach etwa einer Woche löst sich das Tief dann wieder auf.  An den Kaltfronten älterer Tiefdruckgebiete können wiederum kleine Wellenstörungen auftreten und die Bildung weiterer dynamischer Tiefdruckgebiete (Randtiefs, Tochtertiefs) auslösen.

Die hinter der Kaltfront des dynamischen Tiefs nachströmende Kaltluft ist im Satellitenbild an der typischen zellulären Bewölkung erkennbar. Eine zelluläre Bewölkung entsteht immer dann, wenn kalte Luft über relativ wärmere Luft (z.B. direkt oberhalb einer warmen Wasseroberfläche)strömt. Infolge der labilen Luftschichtung (warme Luftblasen in kalter Luft steigen nach oben) entstehen zahlreiche Konvektionszellen, in sich Quellwolken bilden.

Zum Schluß noch ein Blick auf die Wetterkarte:

Wetterlage am 21. Juli 2010 15:oo UTC: Die Karte zeigt die Temperatur bei 850 hPa (entsprechend ca. 1,5km Höhe), die Höhenströmung (Isohypsen) bei 500hPa (ca. 5,5-6km Höhe und die Druckverteilung am Boden auf Meereshöhe bezogen (Isobaren). Quelle: MeteoGroup

Der ostatlantische Trog ist deutlich erkennbar ein Stückchen weiter nach Westen gewandert (vgl. Telegramm 50), so daß die Kaltfront des Tiefdruckwirbels wie geschildert allmählich Mitteleuropa erreicht. Weiter im Osten  überwiegt noch der Hochdruckeinfluß, so daß die Hitzewelle hier vorerst anhält.

Aber nach und nach wird die Warmluft von der aus westlichen Richtungen einströmenden Kaltluft abgeräumt, und dann wird es nicht nur in den westlichen Teilen, sondern in ganz Europa deutlich kühler.

Jens Christian Heuer 

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Written by jenschristianheuer

Juli 21, 2010 um 7:30 pm

Veröffentlicht in Wetternotizen

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