Weltenwetter

Schneechaos – Klimawandel auf Eis?

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Am Dienstag, den 12. Januar 2010 zeigte der Nachrichtensender n-tv in der Reihe „Das Duell“ ein Streitgespräch zwischen Prof. Horst Malberg, dem ehemaligen Direktor des Meteorologischen Instituts der Freien Universität Berlin und der Mathematikerin, GRÜNEN-Politikerin und ehemaligen Umweltministerin von Nordrhein-Westfalen Bärbel Höhn. Die von Heiner Bremer moderierte Sendung stand unter der Überschrift:

„Schneechaos – Klimawandel auf Eis?“

Auf der einen Seite ein sehr gut aufgelegter Prof.Malberg, der seine wissenschaftlichen Argumente auch für den Laien gut verständlich vortrug; auf der anderen Seite eine engagierte Bärbel Höhn, die das Thema eher von der politischen Seite anging. Beide Kontrahenten gingen fair miteinander um und liessen den jeweils anderen ausreden, leider keine Selbstverständlichkeit mehr bei kontroversen Diskussionen im Fernsehen.

Prof. Horst Malberg und Bärbel Höhn, GRÜNE Quelle: Wetter Journal, http://nuv-online.de/

Malberg erklärte nach einer kurzen Einleitung durch den Moderator sehr schön das Zustandekommen der augenblicklichen winterlichen Wetterlage und wie das Tief Daisy für den Schnee sorgte. Das Tief bildete sich über dem Mittelmeer, nahm dort viel Feuchtigkeit auf und zog dann (mit der Höhenströmung) nach Norden, wo es dann den vielen Schnee ablud.  (vgl. Das Tief Daisy und der Schnee). Dann ging er auf die bestimmende Rolle des Islandtiefs für unser Wettergeschehen ein. Ein kräftiges Islandtief sorgt für eine westliche Strömung relativ warmer atlantischer Meeresluft und damit auch für milde Winter (zonale Luftzirkulation). Schwächelt das Islandtief so bleibt die mildernde westliche Strömung aus, und das Russische Kältehoch bekommt die Überhand. Dann sorgt Sibirische Kaltluft aus dem Osten dafür, daß es bei uns harte Winter gibt (meridionale Zirkulation). Dieser Wechsel der Stärke des Islandtiefs, die sogenannte Nordatlantische Oszillation, ist der entscheidende Taktgeber für Wetter und Klima bei uns in Europa, so Malberg. Zurzeit haben wir ein schwaches (oder gar kein) Islandtief und deshalb auch einen kalten Winter.

Malberg erklärte dann die aus seiner Sicht (fast alles) entscheidende Rolle der Sonne für unser Klima und die Auswirkungen der natürlicherweise schwankenden Sonnenaktivität, welche sich wiederum an der Zahl der Sonnenflecken ablesen lässt.

Für Prof. Malberg ist die Sonne hauptsächlich für den Klimawandel verantwortlich. Treibhausgase spielen nur eine Nebenrolle. Quelle: SOHO, NASA

Bei seinen Untersuchungen, für die er die Hand ins Feuer legen könne, habe er nicht nur wie die Wissenschaftlern des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change,Weltklimarat) eine 150 Jahre zurückreichende globale Klimareihe benutzt, sondern mitteleuropäische Klimabeobachtungen, die mehr als 300 Jahre zurückreichen. Dabei habe sich herausgestellt, daß Temperaturen und Sonnenaktivität ein paralleles Verhalten zeigen. Zu Beginn des 18.Jahrhunderts währte noch die spätmittelalterliche „Kleine Eiszeit“, die durch das Maunder-Sonnenfleckenminimum ausgelöst wurde. Damals war die Sonnenaktivität ausgesprochen gering. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts stiegen Sonnenaktivität und Temperaturen an und erreichten um 1800 ein Maximum. Damals war es nahezu genauso warm wie in den 1990er Jahren, ohne nennenswerten anthropogenen Treibhauseffekt. Nach 1800 ging die Sonnenaktivität wieder deutlich zurück (Dalton-Sonnenfleckenminimum) und schon fielen die Temperaturen drastisch. Es wurde so kalt, daß große Teile der Getreideernten ausfielen und mitten in Europa Hungersnöte ausbrachen. Ab 1850 begann bei wieder ansteigender Sonnenaktivität, die derzeit diskutierte globale Erwärmung. Die globalen Temperaturreihen des IPCC beginnen also ausgerechnet in einer globalen Kälteperiode, die viel Not und Elend brachte. Soll diese Zeit wirklich der Maßstab für die richtige globale Temperatur sein?

Als Ergebnis seiner Untersuchungen, so Malberg, könne man 70% des derzeitigen Klimawandels mit Veränderungen der Sonnenaktivität erklären, lediglich 30% gehen danach auf das Konto anthropogener CO2-Emissionen. Frau Höhn widersprach entschieden und verwies auf die überwiegende Mehrheit der Klimaforscher, die da zu ganz anderen Ergebnissen kämen. Auch die Klimaforscher des IPCC würden die Sonne mit berücksichtigen; ihr Einfluss liege danach immerhin bei etwa 10%. aber eben nicht mehr. Die derzeitige globale Erwärmung gehe also eindeutig auf das anthropogene CO2 zurück und nicht auf die Sonne. Malberg vertrete eine absolute Einzelmeinung. Malberg bestritt das und verwies auf viele Wissenschaftler, die seine Sichtweise teilen, aber kaum gehört würden. In dem letzten Bericht des IPCC werde der Einfluss der Sonne bewußt kleingerechnet. Malberg verwies darauf, daß das IPCC in der Hauptsache kein wissenschaftliches, sondern ein politisches Gremium sei. Wissenschaftlicher, die den menschengemachten Klimawandel hinterfragen würden ausgegrenzt.seien eher unerwünscht. Malberg spielte in diesem Zusammenhang auch auf den Climategate-Skandal an. Klimadaten seien verfälscht und die Veröffentlichungen unerwünschter wissenschaftlicher Arbeiten unterbunden worden. Höhn widersprach: Die Vorwürfe wären übertrieben und änderten nichts am Grundsätzlichen. Es gebe auch kein politisches Interesse an einer besonders dramatischen Darstellung des Klimawandels, ganz im Gegenteil: Die klimawissenschaftlichen Ergebnisse seien von den am IPCC-Bericht beteiligten Politikern für den Abschlußbericht vielmehr noch entschärft worden.

Als Politikerin, so Höhn, habe sie möglichen schweren Schaden von der Bevölkerung abzuwenden. Es wäre daher einfach zu riskant, auf Einzelmeinungen wie die von Malberg zu hören und dafür die Stimmen der weltweit führenden Klimaforscher zu ignorieren.

Malberg verwies demgegenüber auf die Unsicherheit der Klimamodelle. Diese seien Versuche mit dem derzeitigen Kenntnisstand die Natur zu verstehen und daher nie perfekt. Modellergebnisse würden wie Prognosen behandelt, obwohl es in Wirklichkeit nur („wenn dann“) Szenarien sind. Es führe politisch leicht in die Irre, wenn man sich bei seinen Entscheidungen (blind) auf Simulationsrechnungen verlasse. Das zeige beispielsweise auch die derzeitige Weltwirtschafts- und Bankenkrise.

Derzeit gehen global die Temperaturen wieder zurück, so Malberg. Parallel dazu ist auch die Anzahl der Sonnenflecken zurückgegangen, zurzeit gebe es nur noch selten welche.

Szene aus der „Kleinen Eiszeit“, Pieter Brueghel the Ältere (1525-1569). Steht uns das wieder bevor? Quelle: http://www.zeno.org/Kunstwerke

Die Sonnenaktivität sei so gering, daß eher eine drastische Abkühlung drohe als eine globale Erwärmung, so Malberg weiter. Kälteperioden seien immer schlechte Zeiten für die Menschen gewesen.

Malberg und Höhn konnten aber auch inhaltliche Übereinstimmungen feststellen: Beide gehen davon aus, daß die Ressourcen fossiler Brennstoffe begrenzt sind und schon von daher ein Umstieg auf alternative Energien unbedingt anzustreben ist. Klar wurde aber auch, daß Malberg einige dieser Alternativen eher skeptisch sieht, so etwa die Sonnenenergie. Diese mache zwa durchaus Sinn, aber im Winter könne man in unseren Breiten damit nun wirklich kein Haus beheizen. Auch die immer wieder propagierten nachwachsenden Brennstoffe seien nicht unproblematisch. Die Heizung mit Holzpellets etwa, ginge mit einer erheblichen Feinstaubbelastung einher. Höhn sah das anders und verwies auf moderne Technologien, die mit derartigen Problemen fertig werden. Alternative Energien seien auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und schaffen viele Arbeitsplätze, so Höhn.

Malberg betonte am Schluß noch einmal ausdrücklich, daß er für effektiven Umweltschutz eintrete. Klimaschutz sei aber eine zweifelhafte Angelegenheit, denn Klimawandel habe es immer gegeben und werde es immer geben.

Heiner Bremer moderierte die Diskussion ausgesprochen fair. Beide Kontrahenten wurden nur selten unterbrochen und konnten daher ihre Gedanken im Zusammenhang und für das Publikum nachvollziehbar darlegen. Auffällig war aber auch eine gewisse Sympathie für die Argumentation Malbergs. Dazu hat sicherlich das Verhalten der Professoren Schellhuber und Rahmsdorf mit beigetragen. Diese hatten vor einiger Zeit, worauf Bremer im Verlaufe der Sendung mehrfach hinwies, eine Einladung zu einem Streitgespräch (auf gleicher Augenhöhe) mit Prof.Malberg ausgeschlagen. Ein nicht nur für den Moderator befremdliches Verhalten!

Nach meiner Einschätzung war die Sendung sehr interessant und informativ. Sie war aber auch ein Vorbild für eine faire Diskussionskultur. Viele Fragen rund um den Klimawandel blieben aber trotzdem offen. Um diese zu besprechen hätte Prof. Malberg aber nicht auf einen Politiker, sondern auf einen anderen Klimaforscher(der nicht zu den Klimaskeptikern gehört!) treffen müssen, der es ebenso wie Malberg versteht, seine Argumente allgemeinverständlich vorzubringen und auch nicht vor kontroversen Debatten kneift. Mir fällt da spontan Prof. Mojib Latif ein. Mojib, bitte übernehmen Sie!

Jens Christian Heuer

Links:
Beiträge von Prof.Malberg in der Zeitschrift Berliner Wetterkarte
Homepage von Bärbel Höhn

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Written by jenschristianheuer

Januar 14, 2010 um 12:30 am

Veröffentlicht in Klimadebatte

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