Weltenwetter

Unwetter über Norddeutschland

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Am Morgen des 21. Juli 2008 kam es über Norddeutschland zu ungewöhnlich heftigen Regenfällen und Gewittern. Wie es dazu kam, darauf gibt das folgende Satellitenbild die ersten Hinweise:

Über der Nordsee hat sich ein kalter Höhentiefdruckwirbel mit kommaförmiger Wolkenstruktur gebildet. Die hellblauen Linien sind Isobaren, welche Orte miteinander verbinden, wo der gleiche Luftdruck herrscht. So lassen sich Hoch- und Tiefdruckgebiete leichter erkennen. Quelle: http://www.nrlmry.navy.mil/sat-bin/over.cgi

Über der Nordsee bildete sich schon am 20. Juli 2008 in der Höhe ein kalter Tiefdruckwirbel, seinerseits ein Abkömmling eines dynamischen Tiefs in einem Höhentrog. Bei diesem Tief verselbstständigte sich die Höhenkaltluft gegenüber dem dynamischen Prozeß. Die „abgespaltene“ Kaltluft bildete einem Wirbel und bewegte sich als kaltes Höhentief nur noch langsam weiter, währenddessen das dynamische Tief sich mit dem weiterwandernden Trog schnell ostwärts bewegte. Eine gute Übersicht der Wetterlage gibt die Höhenkarte des amerikanischen Wetterdienstes:

Wetterlage am 21.Juli 2008 um 00:00 Uhr UTC: Die Farbschattierungen zeigen an, in welcher Höhe der Luftdruck auf 500 hPa zurückgegangen ist (Höhenangaben in Dekametern!). Da sich warme Luft mehr ausdehnt als kalte Luft, fällt auch der Luftdruck dementsprechend langsamer mit zunehmender Höhe. Je wärmer also die Luft umso größer die Höhe in der der Luftdruck auf 500 hPa gesunken ist. Man erhält in einer zusammenfassenden Kartendarstellung dann eine 500 hPa-Fläche in Form einer “Landschaft” mit “Bergen” und “Tälern”. In den roten, orangefarbenen und gelben Bereichen befindet sich die warme Luft, deren Temperatur von gelb nach rot zunimmt; in den grünen, blauen und violetten Bereichen hingegen die kalte Luft, mit von grün über blau nach violett sinkender Temperatur. Die Isobaren des Bodenluftdrucks sind als weiße geschlossene Linien eingezeichnet. Isobaren verbinden die Orte gleichen Luftdrucks miteinander. Geringe Abstände zwischen diesen zeigen ein großes Luftdruckgefälle an und umgekehrt. Die Luftdruckwerte sind auf den Isobaren eingetragen. Die Zahlen auf der 500 hPa-Fläche zeigen die jeweils herrschenden Temperaturen an. Die schwarze Linie markiert den Verlauf der Polarfront, wo die Temperaturgegensätze am größten sind, denn an der Polarfront treffen tropische Warmluft und polare Kaltluft aufeinander. Dem Temperaturgegensatz entspricht ein mit der Höhe zunehmendes Druckgefälle von der Warm- zur Kaltluft. Unter dem Einfluß der Erdrotation entsteht ein kräftiger westlicher Höhenwind, der Jetstream. Aus Divergenzen in dem mehr oder weniger stark mäandernden Jetstreams entwickeln sich dynamische Tiefs, welche tropische Warmluft und polare Kaltluft miteinander verwirbeln. Aus Konvergenzen entstehen dagegen dynamische Hochs, darunter auch die Subtropenhochs.  Quelle: http://www.wetterzentrale.de/

Am Morgen des 21. Juli 2008 erreichte das Höhentief Norddeutschland.

Wetterlage am 21.Juli 2008 um 06:00 Uhr UTC: Die Infrarotaufnahme bildet die unsichtbare Wärmestrahlung ab, die vom Land, den Wasserflächen und den Wolken ausgeht. Warme Objekte erscheinen dunkel, kalte Objekte dagegen hell. Aus den Helligkeiten der Objekte ist somit ein direkter Rückschluss auf deren Temperatur möglich. Infrarotbilder gelingen auch in der Dunkelheit der Nacht, denn im Gegensatz zum sichtbaren Licht ist die Wärmestrahlung immer vorhanden. Quellwolken (Cumulus), die sich bis in große Höhen auftürmen wie ganz besonders die Gewitterwolken (Cumulonimbus), sind wegen der mit der Höhe abnehmenden Lufttemperatur an ihrer Oberseite relativ kalt und erscheinen daher hell. Dasselbe gilt für die nur in großer Höhe entstehenden Eiswolken (Cirrus). Die Wolken in niedrigen Höhen sind dagegen jedoch schon fast genauso warm wie die Erdoberfläche darunter und erscheinen somit ähnlich dunkel. Quelle: http://www.metoffice.gov.uk/

Das kalte, allseitig von relativ warmer Luft umgebene Höhentief (Kaltlufttropfen) brachte eine labile Luftschichtung. Die Kaltluft „stürzt“ dabei von oben nach unten, die wärmere Luft bekommt Auftrieb und es entstehen Konvektionszellen. Durch die Hebung, der von der Meeresoberfläche angefeuchteten Luftmassen bilden sich Quellwolken (Cumulus), darunter auch viele hochreichende Gewitterwolken (Cumulonimbus). Im Einflussgebiet des kalten Höhentiefs gibt es dann heftige Unwetter mit Starkregen und Gewittern. Da die bei der Wolkenbildung freigesetzte Kondensationswärme (latente Wärme) ihrerseits wieder die Wolkenbildung antreibt, verhält sich diese stets bis zu einem gewissen Grade selbstverstärkend. Der sich dabei am 21. Juli 2008 entwickelnde Tiefdruckwirbel mit Kommaform war in Erscheinungsbild und Entstehungsweise ein Polartief.

Jens Christian Heuer

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Written by jenschristianheuer

Juli 21, 2008 um 11:40 pm

Veröffentlicht in Wetternotizen

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